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Krisenfest – eine Reflexion

Ich habe ja überlegt, ob ich diesen Beitrag jetzt schon schreiben soll. So kurz nach dem Ende vom Projekt Krisenfest. Denn wie es ist im Leben – danach – ist man immer klüger – und Frau auch! 😉 Aber wieviel danach braucht es und ist jetzt nicht gut und wenn ja warum nicht.

Und das Projekt „krisenfest, also die Plattform „Wir sind krisenfest“ ist ja auch genau so entstanden. Einfach mal machen. Und ja, man kann es immer besser machen, man kann auch abwarten, bis man sich „bereit“ fühlt, bis man jeden Onlinekurs dazu gemacht hat, bis man endlich alle Ausbildungen hat, bis man weiß, dass es perfekt ist. Aber ehrlich gesagt, hatte ich nicht einmal diesen Gedanken. Dieses Projekt wollte in die Welt und ich hab einfach mal begonnen und dann weiter gemacht, bis es „fertig“ war. Und dann weiter gemacht, bis es zu Ende war und jetzt, knapp eine Woche nach dem letzten Tag an dem Mails verschickt wurden, denke ich, es ist Zeit für einen Rückblick.

Ich möchte mich auch bedanken bei allen, die dabei waren, die teilgenommen haben, die duzende meiner Mails gelesen und beantwortet haben, denn dieses Projekt ist gewachsen. Vieles hab ich vorher nicht bedacht und dann doch noch umgesetzt. Ich hab mir wohl auch zu viele Gedanken gemacht und versucht es für alle so perfekt wie möglich zu machen. Ein Ding der Unmöglichkeit, aber – ich hab’s versucht.

Geschichte zum „Hinein -fühlen“

Das Projekt war in meinem Kopf seit dem ich im November 2020 3 Wochen lang täglich life war mit meiner Serie „Lebe-lieber-leichter“ der zweite Lockdown in Wien/Österreich und ich wollte einfach vieles von meiner Krisenexpertise zeigen. Im Kontakt mit meinem Kreis dann ist bei mir das Interesse und die Neugier größer geworden – wie machen es denn andere? Jede die mit Krisen konfrontiert ist, meistert sie irgendwie, oder geht zumindest damit um. Manches kann man auch aussitzen, ignorieren, abwarten. Gibt es ein Patentrezept für Krisen?

Das wollte ich wissen, also hab ich kurzerhand auf Basis meiner eigenen Erfahrungen und Kenntnissen „krisenfest“ erdacht. Ich wusste, wie es aussehen soll, was es sein soll und wie ich es umsetzten wollte.

Und dann kommt der Moment in dem du damit nach Außen gehst und das ganze anderen Menschen erklären musst. Das war auch eine neue Erfahrung. Nicht 100 Prozent neu, aber es hat sich angefühlt wie Eislaufen, denn in meinem Kopf war alles ganz logisch. Ich wusste ja, was ich meinte.

Jedenfalls habe ich am 20. November das erste Mail weggeschickt in dem ich erklärt habe, was ich wollte, und ich Frauen aus meinem Kreis gebeten habe, mir ein Interview zu geben. Die Fragen kamen erst später, weil mich eine der von mir gefragten darum gebeten hatte. Sie hat dann im Endeffekt nicht mit gemacht. Einige haben mir aus verschiedenen Gründen abgesagt. Ich hab dann begonnen auch andere Frauen zu fragen, die mir zwar bekannt waren, aber die ich eigentlich nicht kannte – und so kamen 33 Frauen zusammen. Eine hat dann ganz am Ende doch noch zurück gezogen.

Was ich gelernt habe

Akzeptanz von dem  was ist habe ich in diesem Projekt jedenfalls lernen dürfen.

Ich habe sehr sehr viel gelernt in diesem Projekt, vor allem, wie ich es nicht mehr machen will. Meine Erwartungen hatte ich natürlich viel zu hoch gesteckt.. Sie haben sich nicht erfüllt. Was sich aber erfüllt hat, ist das was ich mit dem Projekt ursprünglich wollte.

Ich wollte wissen, wie es geht und ob ich das kann – und das konnte ich nur erfahren in dem ich es tat. 

Ich denke und dachte groß – riesengroß! und ich wollte einen „Tusch“. Zum damaligen  Zeitpunkt wusste ich nicht, das das Projekt eine neue Tür für mich ist, ein Urknall für mein neues Universum. Wenn ich in Zukunft mit einer Podcast-Serie hinaus gehe, werden es alle erfahren, die die Reihe abonniert haben und die alle Menschen, die in der Facebook-Gruppe sind. Ich habe Menschen erreicht, die sich für mein Thema – für  „krisenfestigkeit“ interessieren.

Mach es doch „kleiner“

Ja, es war unglaublich viel Arbeit. ich bin auch schon gefragt worden, ob ich es nicht kleiner hätte machen können. Langsam anfangen, ausprobieren, Vorsichtig die „Schnauze“ aus dem Bau strecken, um zu sehen, ob die „Luft rein ist“. „Kleiner ist feiner, weniger ist mehr etc.

Das bin ich aber nicht  und das Projekt war nie so gedacht. Ich wollte groß, habe hoch gepokert und investiert. In mich, in meine Idee – und ich habe die ganze Zeit daran geglaubt. Ich wollte nicht langsam, ich wollte ausprobieren, ob meine Idee funktioniert. Ich wollte wissen, was ich kann und wo ich scheitere, bzw. mir Hilfe holen muss. Ich habe mich bewusst herausgefordert und habe gewonnen.

Ich habe in jedem Fall gewonnen

Jeder kann kommen und sagen: Ja, das hättest du anders machen müssen. Das war nicht perfekt, das hat das und das gefehlt, war nicht schön genug, nicht optimal, hätte… dies und das, das wäre anders besser gewesen. Kritik kann man immer üben. Aber ich werde immer diejenige sein, die es getan hat. Die sich getraut hat, die raus gegangen ist, die mutig genug war zu sagen: Scheitern ist auch eine Möglichkeit zu lernen.

Aber ich habe kaum Kritik geerntet. Im Gegenteil! Ich habe den Respekt der Frauen gewonnen, die sich im Gespräch mit mir ein Stück weit selbst wieder mehr erkannt haben. Ist das nicht großartig? Vielleicht sagt sich die eine oder andere, dass ihr das zuviel „crazyness“ war. Aber jedes Interview das ich gemacht habe, freut mein Herz und berührt mich immer wieder. Und vermutlich gibt es viele, die mir für meine „ein Jahr danach“ Serie nochmal ein Interview geben!

Die Kommentare von Frauen in der Gruppe haben mein Herz berührt und mich auch zu Tränen gerührt. Ich höre, wie vielen Menschen das Projekt begegnet ist und die sich etwas davon mitgenommen haben. Jedes einzelne „like“ hat mich gefreut!

Ich habe eine neue Website, die funktioniert und die die Menschen bereits kennen. Egal wie „krisenfest“ weiter geht, da gibt es etwas, worauf ich aufbauen kann. Hier dieser erste Blog-Post ist schon der erste Schritt. Auf dieser Website möchte ich auch die Podcast-Reihe veröffentlichen, die ab Mail geplant ist. Ich hab unglaublich viel gelernt. Über die Technik, Abläufe, Menschen, Informationsweitergabe, Mail-schreiben und über mich. Ich habe Dinge überwunden von denen ich dachte, ich hätte sie längst erledigt. Schlaflose Nächte und Alpträume über die Arbeit inklusive.

Auch Fehler und Fehlschläge sind wichtig! Und ich habe einige davon gemacht in den paar Monaten, in denen Krisenfest entstanden ist, denn vielleicht ist es dir aufgefallen – 20. November ging das erste Mail raus und am 20. März die ersten Interview! Das sind vier unglaubliche Monate gewesen – und was für ein Ergebnis!

Für mich ist das Projekt so, wie ich auch mein Leben wahrnehme. Alles war wichtig, und gut, das zu erleben. Ich weiß für meine nächsten Schritte jetzt schon worauf ich achten muss. Das Projekt krisenfest soll bleiben, was mir von Anfang an wichtig war: eine Quelle der Inspiration für alle, die glauben in Krisen allein zu sein, oder es nicht zu schaffen.

Es gibt immer einen Weg

Herausforderungen machen uns stärker und wenn ich auch nur einen Menschen dazu inspirieren konnte, einfach mal los zu gehen, ein Scheitern als mögliche Lektion anzulächeln dann wow! super! Wenn ich es geschafft habe durch die Interviews ein Lächeln anzuregen, auch nur eine Person darin zu bestärken, an sich zu glauben, an ihren Weg zu glauben  – dann hab ich schon gewonnen.

Auch das ist „krisenfest

Ich weiß jetzt auch, dass ich so ein großes Projekt sicherlich nie wieder allein machen werde. Soviel ist sicher.
Aber ich muss das auch nicht. Beim nächsten Mal gibt es einen Projektplan – auch außerhalb meines Kopfes. Ein schriftliches Konzept, einen kleinen Vertrag mit den Teilnehmerinnen, ein klares Bring/Hol-Konzept und andere Menschen die mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen, unterschiedliche Tasks bearbeiten werden. Dieses Mal hab ich es allein gemacht. Das Konzept, die Einladungen zu den Interviews, das führen der Gespräche, das Schneiden und die Bearbeitung des Tones und des Bildes  (die wird auch noch besser) die Website, die Organisation alle Texte, die Links, die Fotos, das Logo, die Graphiken, die Kommunikation, die Werbung, die Facebook-Gruppe, die Erinnerung an Veröffentlichungen, das Follow-up. Ich habe mir die Texte für die Videos zugekauft und auch den Support für die Website. Ich habe gelernt, dass ich nicht alles selbst machen muss. Auch wenn ich gekonnt hätte – ich hab mir „sanity“ gekauft wie es im Englischen so schön heißt. Zeit für Frieden würde ich es nennen.

Ganz ehrlich, wenn jemand kommt und mir sagt: das hätte man besser machen können, dann sag ich ganz sicher:

JA! Natürlich.

Hätte ich aber einen Moment darüber nachgedacht, ob ich bereit bin, wäre das Projekt sicher noch nicht auf der Welt, dann würde ich noch immer tüfteln.

Ja, es ist unperfekt, aber dafür war es super-persönlich und eines der besten Dinge die ich jemals gemacht habe.

Denn da steckt Herz drin. Nicht nur meines, sondern auch das von allen Frauen, die mit mir mitgetan haben. „wir sind krisenfest„. Wir. Ohne sie hätte es das Projekt auch nicht gegeben. Ich wollte zeigen, dass es nicht einen perfekten Weg gibt und wie wäre das besser als mit einem Projekt, das einfach startet und auf die Welt kommt.

Wer die Frauen sind?

Verbessern kann ich die Zukunft. Genießen kann ich die Gegenwart  – aber die Vergangenheit ist das, worauf ich mit Stolz zurück blicken kann.