Ist viel auf einmal gut oder zu viel?

Vor vielen Jahren war ich mal auf Santorin, eine super feine griechische Insel auf der es sehr sehr viel zu sehen gibt. Wenn man allerdings lieber auf dem Strandbett liegt, als herum zu fahren, dann geht sich irgendwann mal nicht mehr aus als „Santorini in one Day“. Dieses Angebot haben wir angenommen und wirklich unglaublich viel gesehen.

Aus heutiger Sicht würde ich das nicht mehr so machen, denn es waren einfach sehr viele Eindrücke in kurzer Zeit. Das ist wie ein leckeres 5-Gänge Menü für das man nur eine knappe Stunde Zeit hat. Man erinnert sich, aber richtig erfahren kann man es nicht. Man verdaut die Eindrücke später.

Turbo-Speed und blinde Flecken

So ähnlich war es diese Woche. Da waren viele Themen die aufgetaucht sind. Ich nennen so etwas gerne Turbo-Speed-Zeit, denn in solchen Zeiten wird man herausgefordert sich vieles gleichzeitig anzusehen, oder zumindest darüber nachzudenken, welches Lebensthema als nächstes anzusehen ist. Aktuell weiß ich von vielen Menschen, die herausfordernde Zeiten erleben.

Wir haben alle unsere Themen. Jeder Mensch hat bewusst oder unbewusst Dinge, die „getriggert“ werden können, also durch eine äußere Situation ausgelöst. Die Herausforderung ist wie man damit umgeht. Manchmal merkt man es selbst gar nicht und dann ist es heilsam, wenn man von vertrauten Personen liebevoll darauf aufmerksam gemacht wird. Da gibt es unsere „blinden Flecken“ also Teile unserer Persönlichkeit und Verhalten, die wir selbst nicht sehen, und die nur von Außen, also mit Abstand wahrgenommen werden.

Auch wenn es anstrengend ist, sich damit auseinander zu setzen ist das total wichtig. Meiner Erfahrung nach, sind tiefer sitzende Thematiken meistens wiederkehrende Gäste. Je öfter sie uns begegnen, umso tiefer sehen wir, was in ihnen ist. Schritt für Schritt, oder Schicht für Schicht können wir sie dann auflösen. Jedes Thema hat sein Tempo – und seine Zeit.

Ent-Täuschung und Innenschau

Solche Turbo-Speed-Zeiten sind wahnsinnig anstrengend aber auch wunderbare Zeiten auszumisten und ent-täuscht zu werden. Ent-Täuschungen sind für mich das was das Wort beinhaltet. Das Ende einer Täuschung und die Möglichkeit etwas klarer zu sehen.

Meine Empfehlung ist es aufmerksam durchs Leben zu gehen. Wenn uns etwas stört, ist es heilsam nach zu sehen, wo etwas zu ändern ist. Bei sich selbst ist das nicht einfach, aber lohnend. Im Außen wird uns gespiegelt wo wir im Inneren mit uns selbst haken. Was uns an anderen stört, könnten wir ins uns selbst entdecken und sehen, warum das so ist. Wenn wir auf unsere blinden Flecken aufmerksam gemacht werden, ist das oft unangenehmer, weil wir sie ja selbst weniger reflektieren können. Wenn so etwas auftaucht, kann es hilfreich sein, sich in Ruhe hinzusetzen und darüber zu meditieren oder nachzudenken. Gedankenkreisen, Schuldzuweisungen oder Wut helfen nicht weiter. Was eine gute Strategie sein kann ist, einfach mal zu schreiben was man denkt und dabei alles zu zu lassen. Nach ca. einer halben Stunde wird einiges auf dem Papier stehen, was uns vielleicht gar nicht so bewusst war.

Wenn man allein nicht weiter weiß, hilft oft auch professionelle Unterstützung, Coaches, Lebensberater oder Therapeuten.

Für mich ist das purer Yoga. Schicht für Schicht mehr Klarheit. Der Mut hinzuschauen aber auch die Güte, nicht so streng mit sich – und der Welt – zu sein. Sich immer öfter vor Augen halten, dass jeder Mensch seine Geschichte hat, sein „Päckchen“ mit sich trägt und jeder Mensch in jedem Moment das tut, wovon er glaubt, es sei das Richtige.

So kann es einfacher werden, liebevoll und gütig auf die Dinge, Menschen und sich selbst zu blicken.